UNFOLDING

UNFOLDING DECKKARTEgr

UNFOLDING
Tanzperformance

In UNFOLDING erscheint Care als körperlicher Prozess: als Aufmerksamkeit füreinander, als Aushalten von Unsicherheit, als Suche nach Nähe und als Recht auf Abstand.
Drei Tänzer:innen, die seit dem europäischen PAN.OPTIKUM-Projekt People Power Partnership mit dem Ensemble verbunden sind, begegnen einander in einem beweglichen Geflecht aus Anziehung, Rückzug, Vertrauen und Widerstand.
Die Performance fragt, wie Menschen miteinander in Kontakt bleiben können, wenn alte Muster, Schutzmechanismen oder Verletzlichkeit spürbar werden. Tanz und Videoprojektion öffnen dabei einen gemeinsamen Raum, in dem innere Bilder, Erinnerungen und Beziehungsspuren sichtbar werden. UNFOLDING zeigt Momente, in denen Beziehung entsteht, kippt, sich verändert – und vielleicht neu möglich wird.

Tänzer:innen:
Sofia Missionario de Santos, Lissabon,
Adrian Herrera Rubias, Merida,
Kien Trinh, Utrecht/Freiburg

Musik: Tobias Schwab
Video: Jānis Putniņš
Licht: Tim Weseloh
Assistenz: Dagmar Ortmann
Choreografie: Jānis Putniņš

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Aus dem Programmheft:
WHO CARES? fragt danach, was Care heute im Umgang mit sich selbst, mit anderen und mit den Beziehungen, die uns prägen bedeuten kann.
Care wird häufig zuerst als etwas verstanden, das sich nach außen richtet: als Sorge für andere, als Unterstützung von Gemeinschaft oder als konkrete Hilfe.

UNFOLDING stellt dieser Perspektive eine weitere Frage zur Seite: Wie können Menschen für andere sorgen oder mit anderen in Verbindung treten, wenn sie kaum wahrnehmen können, was in ihnen selbst geschieht?
Die Performance setzt deshalb zuerst im Inneren an: Im Zentrum steht ein wachsender innerer Druck, der nach Ausdruck sucht, bevor er sich entlädt. Spannung erscheint als Hinweis auf etwas, das nicht im Gleichgewicht ist, auf Angst, Unterdrückung, alte Erfahrungen oder vergessene Anteile, die wieder spürbar werden.

Care bedeutet in diesem Zusammenhang, innere Spannung wahrzunehmen und sie nicht zu verdrängen. Es geht um die Bereitschaft, Verletzlichkeit, Widerspruch, Unsicherheit und Fragilität nicht sofort zu überspielen. Wer sich der eigenen inneren Komplexität bewusster wird, kann auch die Widersprüche anderer besser wahrnehmen. So entsteht ein Gegenentwurf zu Schubladendenken, Schuldzuweisungen und polarisierten Reaktionen. Daraus entstehen die zentralen Fragen des Stücks:
Wie entsteht Verbindung, wenn wir mit uns selbst nicht im Einklang sind? Wie wirken Angst, Schutz, Erinnerung und alte Muster auf die Möglichkeit, Nähe zuzulassen? Wie kann Veränderung möglich werden, wenn Menschen beginnen, ihre automatischen Reaktionen zu erkennen und deshalb alternative Handlungsweisen entwickeln?
Care zeigt sich als Fähigkeit, mit Komplexität im Dialog zu bleiben: mit dem, was in uns selbst widersprüchlich ist, und mit dem, was zwischen Menschen unsicher, offen oder noch ungelöst bleibt. Die Performance soll einen Raum für Ambivalenz, Zuhören und Veränderung schaffen. Sie fragt, ob echte Verbindung vielleicht aus der Fähigkeit entsteht, mit dem Ungeklärten umzugehen.

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Im Zentrum von UNFOLDING steht ein Trio. Jede der drei Performer:innen trägt eigene Spuren, Themen und innere Markierungen in sich. Sie begegnen einander als Körper, die von inneren Spannungen bewegt werden und dadurch aufeinander reagieren.
Die choreografische Arbeit bewegt sich zwischen Solo und Momenten der Verbindung. Ausgangspunkt ist die Beziehung zu sich selbst und erst dann das Verhältnis zu den anderen. Was in einem Menschen wirkt, beeinflusst, ob und wie Begegnung möglich wird. Innere Spannungen, Ängste, Schutzmechanismen und alte Erfahrungen prägen den Kontakt nach außen. Die drei teilen denselben Raum und bleiben doch zunächst voneinander getrennt. Sie stehen nebeneinander, kreisen umeinander, suchen Nähe, verlieren Kontakt, halten Abstand oder geraten in Abhängigkeit. Sichtbar wird ein Paradox: Menschen können physisch nah beiein- ander sein und emotional dennoch weit voneinander entfernt bleiben. Die Choreografie untersucht, wie innere Zustände körperlich sichtbar werden. Druck, Widerstand, Gewicht, Atem, Zögern, Wiederholung, Spannung und Gegenkraft werden zu choreografischem Material. Die Körper suchen Entlastung, Kontrolle, Rückzug oder Kontakt. Sie reagieren nicht nur aufeinander, sondern auf das, was in ihnen selbst wirkt.

In den Begegnungen des Trios werden Muster sichtbar, die viele Menschen kennen: Schutz, Kontrolle, Anpassung, Rückzug, Festhalten oder Ausweichen.

Die Performance interessiert sich für den Moment, in dem solche Muster in Bewegung geraten. Sie zeigt, wie sie körperlich spürbar werden: in einer Geste, einem Blick, einer Unterbrechung, einer Wiederholung, einem Zögern oder dem Versuch, Kontrolle zu behalten. Wenn ein vertrautes Muster sichtbar wird, entsteht die Möglichkeit einer Wahl. Muss ich gleich reagieren? Kann ich anders handeln? Kann aus Rückzug Kontakt werden? Kann aus Schutz eine neue Form von Offenheit entstehen?
Diese Momente sind fragil. Sie lösen die Spannung nicht auf, aber sie verändern die Art, wie sie wahrgenommen und bewegt werden kann. Nähe kann in dieser Arbeit auch überfordern, verunsichern oder Angst auslösen. Der Wunsch, gesehen zu werden, steht neben der Angst, sich wirklich zu zeigen. Genau in dieser Spannung bewegt sich das Trio. Manchmal bleibt ein Körper an ein altes Muster gebunden, manchmal öffnet sich ein kurzer Moment, anders zu reagieren, anders zuzuhören, anders anwesend zu sein.
Im Verlauf der Performance entsteht allmählich die Suche nach einem geteilten Raum. Nach der Möglichkeit, sich aufeinander zu verlassen. Nach einem Kontakt, der nicht frei von inneren Spannungen ist, aber dennoch möglich wird. Veränderung bleibt fragil, vorläufig und immer wieder infrage gestellt. Der Titel UNFOLDING verweist auf diesen offenen Prozess. Etwas faltet sich auf, wird sichtbar, gewinnt Raum.

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